Offizieller Wettbewerb
Synopsis: Seit er vor 26 Jahren beim Baden verunglückt e, liegt der einstige Seemann Ramón (Javier Bardem) vom Kopf ab gelähmt im Bett, wo er von den Mitgliedern seiner Familie liebevoll gepflegt wird. Nun möchte er seinem Leben ein selbst bestimmtes, würdevolles Ende setzen, doch da der Staat dies verbietet, ist Ramon bereit, dafür ein Aufsehen erregendes Verfahren in Kauf zu nehmen. Im Namen einer Organisation, die sich für Sterbehilfe einsetzt, soll ihn die Anwältin Julia (Belén Rueda) juristisch vertreten.
Die Geschichte des galizischen Seemanns, der sich vergeblich mit dem spanischen Staat um legalisierte Sterbehilfe stritt, beruht auf der wahren Geschichte von Ramón Sampedro, der sein Leben mit der Lähmung in dem autobiographischen Roman „Letters from Hell“ niederschrieb. Es ist ein Glücksfall, dass sich Alejandro Amenábar, einer der bekanntesten jüngeren spanischen Regisseure („THE OTHERS“, „ABRE LOS OJOS“) des Projekts angenommen und die Rolle des Ramon dem begnadeten Schauspieler Javier Bardem anvertraut hat. Obwohl ein physisch extrem robuster Mime und zwanzig Jahre jünger als der wahre Sampedro, nimmt man Bardem in jeder Sekunde sein Handikap und sein Alter ab. Mit großer Feinfühligkeit vollzieht sein Spiel die Gratwanderung zwischen Trauer, Abschied und Lebenslust.
„MARE DENTRO“ ist der Titel eines Gedichts, dass Sampedro geschrieben hat. „Das Meer in sich drinnen“ tragen, bedeutet für ihm, dem Ozean sowohl alles zu verdanken, als von ihm auch wieder genommen bekommen zu haben. Zugleich ist das Meer, dass hinter seinem Fenster irgendwo hinter den grünen Hügeln liegt, eine Zufluchtsstätte – seine Freiheit und Unendlichkeit bieten ihm großen Trost. Mag sein Protagonist auch gelähmt sein , Alemenábar lässt ihn ein ums andere Mal der Enge seines Lebens und der Unmöglichkeit, in der Realität eine nur zwei Meter von ihm entfernte Hand zu berühren, entfliehen. Vielleicht der schönste Moment des Films ist der, wo man mit Ramon auf einmal dessen Hand sich bewegen sieht, den Körper sich strecken, aufstehen und hinunter zum Meer laufen, wo er die Frau, die er begehrt, in seine Arme schließt und küsst. Natürlich ist alles nur ein Traum, aber ein wunderschöner, der einen begreifen läßt, was es bedeutet, das Meer und den Schmerz und das Glück tief in sich drinnen zu tragen und das Recht, den Zeitpunkt des Todes selbst zu bestimmen, die größte Freiheit und zugleich Verantwortung bedeutet, die uns Menschen gegeben ist.
Martin Rosefeldt
--------------
Regie: Alejandro Amenábar
Drehbuch: Alejandro Amenábar, Mateo Gil
Darsteller: Javier Bardem, Belén Rueda, Lola Duenas u.a.
Spanien, 2004, 119’
61. Internationale Filmfestspiele in Venedig: Wettbewerb








per E-Mail verschicken
Facebook
Twitter
RSS

