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Cannes 2008

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Cannes 2008

Internationale Filmfestspiele Cannes 2008 - Im Wettbewerb - 01/12/08

Waltz With Bashir

Ein Film von Ari Folman


Animierter Dokumentarfilm über persönliche Horrorerfahrungen des Bürgerkrieges im Libanon - der israelische Regisseur Ari Folman versucht eine Selbsttherapie mit Hilfe seines Films

Synopsis: Ari Folman sammelt in Interviews die Erfahrungen seiner Freunde aus dem ersten Libanonkrieg in den 80er Jahren. WALTZ WITH BASHIR ist ein komplett animierter Film, basierend auf Originalinterviews.

Im Gespräch mit dem Regisseur Ari Folman
Der Trailer zum Film
(Windows Media Video)

Kritik: WALTZ WITH BASHIR beginnt mit einer sehr eindringlichen Sequenz eines Albtraums seines Freundes Boaz: 26 große böse Hunde jagen durch die Straßen. Vor seinem Haus rotten sie sich zusammen und starten ein anklagendes Bellkonzert. Immer dann wacht Boaz schweißgebadet auf. Die Hunde verfolgen ihn seit Jahren und er möchte mehr über sie herausfinden. Ari Folman stellt fest, dass er sich an die Zeit in den frühen 80er Jahren gar nicht mehr erinnern kann. Dies verstört ihn zutiefst und er beginnt in sich selbst zu horchen. Sein bester Freund Ori hilft ihm dabei - er ist Filmemacher und Psychiater. Boaz erinnert sich schließlich: Während des Libanonkrieges in den 80er Jahren musste er immer die Hunde erschießen, die laut bellten, wenn sich die Soldaten den Dörfern näherten, um das Dorf zu warnen. Boaz weigerte sich auf Menschen zu schießen, also war er für die Hunde zuständig. Insgesamt tötete er 29 Tiere – das weiß er noch genau – das Rudel, das in seinen Träumen auftaucht.

Vier Jahre dauerte die selbst verordnete Suche nach der Erinnerung, deren Ergebnis ein ebenso verstörender wie intensiver Film ist. WALTZ WITH BASHIR gelingt es durch das Mittel der Abstraktion den Zuschauer tief einzubinden in die Erinnerungen der Interviewten. Furchtbare Kriegserlebnisse mischen sich mit Albträumen. Hätte Ari Folman das Thema in einen "normalen" Dokumentarfilm integriert, würden die meiste Zeit mittelalte Männer vor Wänden sprechen - genau das wollte er aber vermeiden.

So wurde das 90-seitige Drehbuch erst als normales Video gedreht, um anschließend bearbeitet zu werden. Der Film ist eine Mischung aus Flash, klassischer Animation und 3D. Somit werden sie zu eindringlichen Bilderwelten, Reisen in die traumatischen Erinnerungen und Albträume der Interviewten. Auch Ari gelingt es nach und nach sich zu erinnern. Am Ende kommt die Erkenntnis, dass er Zeuge des Massakers von Sabra und Shatila im September 1982 wurde, das in den palästinensischen Flüchtlingslagern stattfand. Christliche Falangisten ermordeten dort mit Duldung durch die israelische Armee um die 3000 unbewaffnete Männer, Frauen und Kinder. Am Ende steht der junge Ari als Soldat, am Ende einer Gasse und erinnert sich. Er schlägt die Hände vor den Augen zusammen, laut schluchzende Frauen trauern um ihre kaltblütig nieder gemetzelten Söhne. Ein furchtbarer Anblick, der noch viel unerträglicher wird, wenn aus dem animierten Bild ganz plötzlich ein Echtes wird. So schockieren waren Archivaufnahmen lange nicht.

Vielleicht hat Marjane Satrapi mit ihrem vielfach ausgezeichneten, ebenfalls auf persönlichen Erinnerungen basierenden Film PERSEPOLIS - der ebenfalls seine Premiere in Cannes feierte - ein neues Genre geschaffen. WALTZ WITH BASHIR versucht das Grauen des Krieges auf eine höchst individuelle, so bisher noch nie gesehene, höchst eindringliche Form zu verarbeiten. Ari Folman selbst hat sich mit diesem ehrlichen Film seinen verdrängten Erinnerungen gestellt, in einer Art Selbsttherapie. Aber er versteht den Film auch als Erbe: „Vielleicht habe ich den Film auch für meine Söhne gemacht, die während der Entstehungszeit geboren wurden. Wenn sie einmal groß sind und sich den Film ansehen, wird es ihnen vielleicht helfen, die richtigen Entscheidungen zu treffen. Damit meine ich, nie an irgend einem Krieg teil zu nehmen.“

Nana A.T. Rebhan
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Waltz With Bashir
Israel/Deutschland/Frankreich 2008, 87 Min.
Regie: Ari Folman
Mit Boaz Rein Buskila, Ori Sivan, Roni Dayg, Carmi Cnaa'n, Shmuel Frenkel
Offizieller Wettbewerbsbeitrag
ARTE-Koproduktion

Erstellt: 16-05-08
Letzte Änderung: 01-12-08