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Mission X - 29/12/04

3 - Wettlauf mit den Astronomen

Die Frage nach der besten Methode


Harrison hatte das Problem der Schmiermittel gelöst, er hatte ein fast reibungsfreies Uhrwerk entwickelt und ein Pendel für alle Klimazonen konstruiert. Jetzt war er bereit, den Wettlauf mit den Astronomen zu beginnen.
Sir Halley selbst gehörte zu den ersten Begutachtern seiner Pläne und hörte aufmerksam zu, als Harrison seine neuartige Schiffsuhr beschrieb. Doch der freundliche Astronom wusste genau, dass die Längengradkommission eine mechanische Lösung für ein - aus ihrer Sicht - rein astronomisches Problem nie akzeptieren würde. Die Kommission bestand aus anerkannten Astronomen, berühmten Mathematikern und weltläufigen Navigatoren. Wie konnte ein einfacher Dorftischler so vermessen sein, das größte technologische Problem der damaligen Welt lösen zu wollen.


Lang gesuchte Himmelsuhr

In ganz Europa arbeiteten die Astronomen fieberhaft an einer Lösung des Längengradproblems. In Paris hatte man eigens dazu bereits vor Jahrzehnten ein neues Observatorium gebaut. Ludwig XIV. hatte berühmte ausländische Wissenschaftler in sein Reich geholt. Durch Beobachtung der Jupitermonde konnte man zumindest an Land den Längengrad präzise bestimmen.
Galileo Galilei war es, der die lange gesuchte Himmelsuhr entdeckt hatte: Vier Monde, die den Jupiter umkreisen. Er ging geduldig daran, die Trabanten zu beobachten, ihre Umlaufbahn zu berechnen und festzustellen, wie oft die kleinen Monde hinter dem gigantischen Jupiter verschwanden. Verfinsterungen der Jupitermonde gab es tausendmal im Jahr und zwar so vorhersehbar, dass man eine Uhr danach stellen konnte. Doch an Bord eines Schiffes ließen sich die Trabanten des Jupiters nur schwer beobachten und waren nicht oft genug zu sehen, um navigatorisch von Nutzen zu sein. Sein Vorschlag war abgelehnt worden.


Wie ein Besessener

Taschenuhren gab es zwar schon rund zwei Jahrhunderte vor dieser Zeit, aber sie waren sehr ungenau. Die Besten wichen etwa eine Minute pro Tag ab. Um jedoch den Preis zu gewinnen, durften die Uhren pro Tag nur 2,8 Sekunden falsch gehen. Die großen Pendeluhren, wie Harrison sie um 1720 baute, waren sehr genau, wichen nur eine Sekunde im Monat ab. Er nahm sie als Vorbild und versuchte daraus ein tragbares Gerät zu entwickeln.
Hundert Jahre später machte sich John Harrison daran, die kosmische Uhr durch eine mechanische zu ersetzen. Er hatte ein zinsloses Darlehen erhalten, um seine Pläne einer Schiffsuhr zu verwirklichen. Wie eine Besessener arbeitete Harrison seit Jahren an der Uhr, die er schlicht H1 nannte. Doch sie funktionierte noch immer nicht zu seiner Zufriedenheit. Noch konnte er die H1 nicht in London der Kommission vorstellen.


Extreme Bedingungen

Mit Hilfe der Position der Fixsterne kontrollierte Harrison die Genauigkeit der Uhr. Er wartete auf die Chance sein Chronometer endlich auf See testen zu können. Doch obwohl die Mächtigen in London beeindruckt waren, vertrösteten sie ihn immer wieder, gewährten jedoch Unterstützung für weitere Erprobung. Harrison baute eine speziell Aufhängung, um die Uhr vor den starken Schwankungen auf See zu schützen. Er testete seine Uhr unter extremen Bedingungen, verbesserte ständig ihre Justierung.
Im Mai 1736 war es endlich soweit. Harrison begab sich auf die erste Seereise seines Lebens nach Lissabon. Die raue See und das rollende Schiff ließen die Uhr mehr als einmal aus dem Takt kommen. Harrison litt dauernd unter Seekrankheit, während er fieberhaft versuchte, die Mechanik zu verbessern. Auf der Rückreise war das Meer ruhiger, und die H1 ging bedeutend genauer. Nach vier Wochen glaubte der Kapitän Start Point an der englischen Küste erreicht zu haben. Aber Harrison berechnete, dass sie sich 60 Meilen weiter westlich in gefährlichen Gewässern befinden müssen. Der Kapitän ließ sich überzeugen und änderte im letzten Moment den Kurs. Die Präzision dieser Schiffsuhr hatte auf ihrer ersten Reise die Besatzung vor dem sicheren Untergang gerettet.

© ZDF/Axel Engstfeld Filmproduktion


Erstellt: 29-12-04
Letzte Änderung: 29-12-04