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Mission X - 29/12/04

4 - Die H-Serie

Die Uhren der vierten Generation sollten es schaffen


Ende Juni 1737 trat John Harrison mit seinem wundersamen Zeitmesser vor die Längengradkommission. Der königliche Astronom Halley, Admiral Norris, Astronomieprofessor Bradley, Sir Charles der erste Seelord, sie alle erkannten, dass Harrison Großes für Krone und Vaterland geleistet hatte.

Mit Fug und Recht könne er die offizielle Erprobungsfahrt verlangen, um zu beweisen, dass die H1 die 20.000 Pfund Prämie des Longitude Acts wert sei. Doch Harrison war viel zu sehr Perfektionist, um mit dem Erreichten zufrieden zu sein. Mit 500 Pfund machte sich der eigensinnige Uhrmacher schließlich auf den Weg nach Hause. Er wollte sein Werk weiter verbessern, eine H2 konstruieren, bevor er sich auf eine offizielle Erprobung einlässt.


Unerbittlicher Wettkampf

Doch das ausgelobte Preisgeld des Longitude Acts wollten sich auch andere sichern. John Harrison bekam einen mächtigen Gegenspieler. Ein ehrgeiziger Astronom namens Neville Maskelyne war nach London gezogen und machte von sich reden. Er hatte in Cambridge studiert, galt als streberhaft und besserwisserisch. Er wurde Freund und Gehilfe des Astronomen Bradley und versuchte mit ihm gemeinsam, das Längengradproblem mit Hilfe der Sterne zu lösen. Maskelyne war ein pedantischer, akribischer Mensch. Die Entfernung des Mondes zur Sonne bei Tag und des Mondes zu den zehn Fixsternen bei Nacht sollte Grundlage der Berechnung des Längegrades sein. Es war der Beginn eines unerbittlichen Wettkampfs zwischen den Verfechtern der Monddistanz-Methode und dem Hüter der Zeit.
Noch während der zweijährigen Bauzeit der H2 begann Harrison seinen nächsten Entwurf, die H3. 19 Jahre lang würde er gemeinsam mit seinem Sohn an dieser einzigartigen Uhr arbeiten. 19 Jahre, in denen Harrison manchmal den Mut verlor, während er versuchte, der Mechanik endlich mehr Präzision zu entreißen. Harrison wartete vergeblich auf die Zustimmung der Admiralität zu einer Testreise und wusste manchmal nicht, wovon er seine Familie ernähren sollte. 19 Jahre, in denen die Vertreter der Methode der Monddistanz immer mehr an Boden gewonnen.


Falscher Plan?

Wieder und wieder bat Harrison darum, seine H3 zur offiziellen Erprobung zuzulassen, auf einer Reise in die Karibik, so wie es der Longitude Act vorsah. 1759 ließ man ihn wissen: die H3 soll endlich auf See getestet werden, doch die Expedition wurde im letzten Moment abgesagt. England war im Krieg und die Admiralität wollte keinesfalls riskieren, dass die viel versprechende Erfindung in Feindeshand fiel.
Während Harrison und sein Sohn an der H3 arbeiteten, ließ er sich eine Taschenuhr bauen. Da kam er auf die Idee, auch die Masse seiner Schiffsuhr drastisch zu verringern. Harrison begann sofort mit der Arbeit an einem neuen Chronometer, der H4, einer überdimensionalen Taschenuhr. Sollte er die ganzen Jahre den falschen Plan verfolgt haben?


Andere Prioritäten

1761 kümmerten sich die Gelehrten der Welt um andere Themen. Ein internationales wissenschaftliches Jahr wurde ausgerufen, die Erforschung des Venusdurchgangs war das Ziel. Die englische Krone investierte hohe Summen und schickte Beobachter in die ganze Welt. Man hoffte durch die Beobachtung des Venusdurchgangs an verschiedensten Punkten des Globus die genaue Entfernung der Erde zur Sonne berechnen zu können. Es war das Ereignis des Jahrhunderts für die Wissenschaft und das Problem des Längengrads schien für einen kurzen Moment zweitrangig zu sein.

© ZDF/Axel Engstfeld Filmproduktion


Erstellt: 29-12-04
Letzte Änderung: 29-12-04