Deutschland gehört bei den Geburten mit durchschnittlich 1,3 Kindern zum Schlusslicht in Europa. Frankreich dagegen mit 1,9 Kindern zu den Spitzenreitern. Aber warum? 40 Prozent aller Akademikerinnen bleiben heute in Deutschland kinderlos. Kinderwünsche werden immer weiter verschoben. Viele Frauen wissen nicht einmal, dass ihre Fruchtbarkeit bereits ab dem Alter von 25 Jahren abnimmt. Französinnen scheinen den Konflikt Kinder oder Karriere weniger zu kennen. Über 70 Prozent der Frauen mit zwei Kindern unter sechs Jahren arbeiten. Schon mit wenigen Monaten können Eltern in Frankreich ihr Kind ganztägig in eine staatliche Kinderkrippe geben. Aber auch Tagesmütter sind in Frankreich kein Luxus, sondern für die meisten Familien erschwinglich – durch staatliche Unterstützung. Über 70 Prozent aller französischen Mütter mit Kindern unter 6 Jahren arbeiten. Ab dem Alter von drei Jahren habe Kinder in Frankreich die Möglichkeit, in die Vorschule, in die Ecole maternelle, zu gehen. Dort können die Kinder ganztags bleiben. Kostenlos. 99 Prozent aller 3-6 Jährigen besuchen die Ecole maternelle. Damit ist Frankreich europäischer Spitzenreiter bei der Betreuung von Vorschülern.

Gerade in den Ländern Europas, in denen es selbstverständlich ist, dass Mütter berufstätig sind - wie in Frankreich oder in Skandinavien - ist die Geburtenrate am höchsten. Und dort, wo wenige Mütter auf dem Arbeitsmarkt sind oder Teilzeit arbeiten - wie etwa in Spanien oder Italien - ist die Geburtenrate am niedrigsten.
Zu diesen Ländern gehört auch Deutschland. In fast keinem Land Europas verzichten mehr Frauen auf Kinder. 40 Prozent aller Akademikerinnen bleiben heute in Deutschland kinderlos. Und der Grund liegt häufig nicht darin, dass der richtige Mann fehlt. Vielmehr stehen viele Frauen mit beiden Beinen im Berufsleben, wollen die Früchte ihres Studiums und ihrer erster Berufsjahre ernten, wollen Karriere machen. Für ein Kind bleibt da häufig keine Zeit.
Kind und Karriere. Was in Frankreich für die meisten Frauen als selbstverständlich gilt, scheint in Deutschland ein schwer zu bewältigendes Hindernis. In Deutschland muss man sich häufig entscheiden – Kind oder Karriere. Viele Frauen fürchten, auf ein Hausfrauendasein, auf die Mutterrolle reduziert zu werden. Außerdem können sich viele Frauen, die im Berufsleben stehen, eine lange Babypause kaum leisten. Zu lange haben sie sich hoch gekämpft.
Wenn die biologische Uhr tickt …
Mit durchschnittlich 29 Jahren bekommen deutsche Frauen heute ihr erstes Kind. Viele kinderlose Frauen aber schieben den Kinderwunsch immer wieder auf. Erst die Ausbildung, das Studium, der Job … und plötzlich wird es zum Problem, sich einen Kinderwunsch zu erfüllen
Dr. Markus Kupka, Leiter der Arbeitsgruppe Kinderwunsch, Klinikum der Universität München - Innenstadt
„Ende 30 ist eine Lebensetappe, in der die Fruchtbarkeit deutlich abgenommen hat. In der Beratung weisen wir auf drei Dinge hin: Erstens: Die Wahrscheinlichkeit, natürlich schwanger zu werden, sinkt dramatisch. Wir wissen aus Erfahrung, dass ab 25 Jahre ein gewisser Alterungsprozess der Frau einsetzt. Zweitens: Wir wissen, dass die Rate an Fehlgeburten deutlich steigt. Und Drittens: Das Risiko, ein genetisch erkranktes Kind zu bekommen, steigt ebenfalls."
Hoffnung: künstliche Befruchtung
Die meisten deutschen Frauen wünschen sich Kinder. Wollen dafür aber andere Ziele nicht zurückstellen. Und fassen sie dann den Entschluss, ein Kind zu bekommen, kann es für eine natürliche Empfängnis zu spät sein. Der Ausweg: eine künstliche Befruchtung. Allein im Jahr 2003 stieg die Zahl der Kinderwunschbehandlungen in Deutschland um ein Drittel. Doch die Hoffnung in die Reproduktionsmedizin ist oft zu groß.
Frauen um die 40 Jahre bringen im Fall einer künstlichen Befruchtung in nur 5-6 Prozent der Fälle ein gesundes Kind zur Welt. Bei Frauen um Mitte 30 rechnet man mit einer Wahrscheinlichkeit von 25-30 Prozent, dass sie schwanger wird und mit 15-20 Prozent, dass sie auch wirklich ein gesundes Kind bekommt.
Erschreckende Statistiken. Bei der Erfüllung eines (späten) Kinderwunsches sollte man sich deshalb nicht auf die Reproduktionsmedizin verlassen.
Literaturtipps zum Thema "gewollt kinderlos"
- Leben ohne Kinder. Wenn Frauen keine Mütter sein wollen
von Christine Carl
Rowohlt, 2002. - Goodbye Baby
von Shirley Seul
Frauenoffensive, 2003. - Passen Kinder in mein Leben?
von Adelheit Müller-Lissner
ISBN: 3861532727, Jahr: 2002. - FrauenLeben ohne Kinder
von Susie Reinhardt
Ariston, 2003. - Vom Geburtenrückgang zur neuen Mütterlichkeit. Frauen zwischen Kinderwunsch und Unabhängigkeit
von Elisabeth Beck-Gernsheim
Fischer, 1984
Links und Adressen zum Thema: Ungewollt kinderlos?
- Kinderwunschzentrum der Charité Universitäts-Frauenklinik und Poliklinik Campus Charité-Mitte / Kinderwunschsprechstunde:
Gynäkologische Poliklinik der Charité,
Luisenstraße 13
10117 Berlin
Tel.: 030-450 564 287; Fax: 030-450 564 911 - Universitätsfrauenklinik / Abteilung für Gynäkologische Endokrinologie und Reproduktionsmedizin
Martinistraße 52
20246 Hamburg
Tel.: 040-42 803 35 - 40 / - 18 - Klinik und Poliklinik für Frauenheilkunde und Geburtshilfe der Universität zu Köln /
Bereich Reproduktionsmedizin und Gynäkologische Endokrinologie
Kerpener Straße 34
50931 Köln
Tel.: 0221-4 78 49 59; Fax: 0221-4 78 67 29 - Klinik und Poliklinik für Frauenheilkunde und Geburtshilfe Sterilitätsambulanz - Reproduktionsmedizin
Marchioninistraße 15
81377 München
Tel.: 089-7095-0 (Zentrale)
089-7095-6831 (IVF-Labor)
089-7095-6825 (Ambulanz)
Fax: 089-7095-3844
Links:
- Der Verein der Selbsthilfegruppen für Fragen ungewollter Kinderlosigkeit
http://www.wunschkind.de/ - Weitere Kinderwunsch-Kliniken
HIPPOKRATES - Gesundheitsmagazin
Dienstag, 28. Dezember um 14.45 und 18.15 Uhr
Redaktion: Birgit Engel
Koproduktion BR-ARTE G.E.I.E.








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