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Ein Magazin von Claire Doutriaux

Jeden Sonntag um 20 Uhr

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Ein Magazin von Claire Doutriaux

Jeden Sonntag um 20 Uhr

Ein Magazin von Claire Doutriaux

Sendung vom 30. April 2006 - 30/04/06

der Brauch: der Maibaum

der Maibaum


Morgen ist der erste Mai. Und in Deutschland gibt es zum ersten Mai einen hübschen Brauch, dessen regionale Varianten Karine Waldschmidt nun den Franzosen vorstellt.

Sind Sie schon mal Anfang Mai durch eine bayerische Kleinstadt oder ein bayerisches Dorf gefahren? Dann haben Sie ihn gesehen, den Maibaum. Mitten auf dem Marktplatz steht er, ein riesengroßer, weißblau bemalter Stamm. Auf der Spitze ein Wetterhahn, auf beiden Seiten mit geschnitzten, bunten Schildern versehen. Das sind die Zunftzeichen: Szenen aus dem bäuerlichen Leben und dem Arbeitsalltag der Handwerker.

Alle 3 oder 5 Jahre wird so ein Maibaum ausgetauscht. Wird feierlich, mit viel Tamtam, vor allem unter großer Anteilnahme der männlichen Jugend, im Wald abgeholzt, mit dem Traktor und unter Blasmusikbegleitung ins Dorf gebracht. Entrindet und gewaschen. Dann angemalt, meist in den bayerischen Farben blau und weiß. Diese Aktion geschieht natürlich nur unter Zuhilfenahme kerniger, dickbepackter bayerischer Muskeln - ihn maschinell mit dem Kran an die gewünschte Stelle zu hieven, gilt als unwürdig.

Und nun kommt erst die wahre Gaudi, auf die sich heimlich schon alle gefreut haben. Denn dem Maibaum droht Gefahr. Von den Jungs aus dem Nachbardorf, die darauf aus sind, ihn zu klauen. Was natürlich verhindert werden muss. Also werden Nachtwachen aufgestellt. Die sollen nicht verdursten. Bier muss her. Wer achtet da noch auf den Baum? Und schon ist es passiert! Der Baum ist weg! Werden die Diebe mit dem Baum noch innerhalb der Ortsgrenze erwischt, dann muss er ohne Gegenleistung zurückgegeben werden. Sonst kostet´s eine Brotzeit und ein Fass Bier. Hat der Baum es geschafft, am 1. Mai glücklich an seinem Platz in der Ortsmitte zu stehen, dann wird der Maitanz eröffnet. Natürlich am liebsten im Dirndl und in Lederhosen. Aber auch das Rheinland hat seinen eigenen Maibaumbrauch.


Der rheinische Maibaum ist kein schwerer, haushoher Baumstamm, sondern eine junge, gerade ergrünte, frisch abgeholzte Birke. Geschmückt mit bunten Kreppbändern, die heiter in der Frühlingsluft wehen, steht sie am frühen Morgen des ersten Mai, plötzlich, wie von Zauberhand, vor der Haustür einer jungen Frau, heimlich in der Nacht von einem verliebten Verehrer aufgepflanzt. Eine höchst private und doch öffentliche Liebeserklärung.

Wenn Sie mal am 1. Mai in Köln sind, werden Sie solche bunten Maibäume finden, auch "Liebesmaien" genannt. Mit Paketband an den Laternenmast geklebt. Vom Balkon herunterhängend, an die Regenrinne gebunden. Oder im Vorgarten mit einer schweren Metallkette am Zaun festgemacht. Das hat nämlich der rheinische Maibaum mit seinem bayerischen Kollegen gemein: auch er ist in Gefahr, von männlichen Rivalen nachts geklaut zu werden.

All diese Maibräuche gehen auf keltische und germanische Frühlings- und Fruchtbarkeitskulte zurück. Schon die Kelten feierten den ersten Mai als Sommeranfang. Die Germanen glaubten, dass in jedem Baum eine Seele wohnt. Ihnen galt der erste Mai auch als Tag, an dem sich Wotan, der Himmelsgott, mit Fricka, der Göttin der Erde, vermählt. Daraus wurde dann ein Tag, an dem junge Männer sich mit Imponiergehabe, Mutproben und Muskelspiel gegenüber jungen Frauen beweisen müssen.

Für die Adressatin des Maibaumes ist das meist ein Riesenkompliment. Allerdings, es kann schon mal etwas peinlich werden, wenn da plötzlich ein Maibaum steht und man gar nicht weiß, von wem. Ganz, ganz peinlich aber ist, wenn eine abgenadelte Tanne oder ein Besen mit Lappen dran vor der Tür steht. Keine Liebes-, sondern eine Schandmaie! Das bedeutet, dass man sich bei irgendjemandem fürchterlich unbeliebt gemacht hat. Die Schandmaie wird die Empfängerin schnell ins Haus holen. Die "Liebesmaien" aber sieht man den ganzen Monat lang.

Erstellt: Tue Apr 25 14:23:44 CEST 2006
Letzte Änderung: Fri Mar 18 12:01:39 CET 2011


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