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ARTE Experiment Wissen - 08/12/06

Interview mit Prof. Dr. Heike Mertsching

Prof. Dr. Heike Mertsching ist Forscherin am Fraunhofer Institut für Grenzflächen- und Bioverfahrenstechnik (IGB)

1. Wie sind sie damals auf die Idee gekommen, menschliches Gewebe der verschiedenen Organe herstellen zu wollen?
Viele Fragestellungen zur Therapie und Medikamentenentwicklung werden in Tiermodellen untersucht – leider sind die Ergebnisse häufig nicht auf den Menschen übertragbar – da im Tissue Engineering mit menschlichen Zellen gearbeitet wird – war meine Idee diese Gewebe auch für solche Entwicklungszwecke einzusetzen nahe liegend

2. Wo lagen die größten Schwierigkeiten bei diesem Forschungsprojekt?
Im Bereich der praktischen Umsetzung: In der Sterilität, da der Darm im Organismus von Bakterien besiedelt ist, die aber in der Zellkultur unbedingt vermieden werden müssen und eine zweite Hürde bestand darin, das Verfahren so zu etablieren, dass die Blutgefäßstrukturen zellfrei sind aber später wieder von Zellen bewachsen werden können. Im Bereich der Akzeptanz: Es wurde lange Zeit auch von anderen Wissenschaftlern angezweifelt, dass es möglich ist solch komplexe Strukturen in vitro herzustellen. Eine Akzeptanz der Ergebnisse ist erst vorhanden, seit dem wir die unterschiedlichen Gewebefunktionen nachweisen können.

3.Wie reagierten andere Forscher oder ihr Umfeld auf dieses Unterfangen bevor sie erste positive Ergebnisse vorzeigen konnten? Gab es viele Zweifel oder eher Zuspruch?
Sehr viele Zweifel bis hin zu Spott

4. Das Verfahren ist sehr aufwendig. Glauben Sie dennoch, dass es sich auf Dauer durchsetzen wird?
Solange wir mit der Materialentwicklung für das Tissue Engineering keine wesentlichen fortschritte machen gibt es keine Alternative zu diesem Verfahren

5. Welches Forschungsziel haben Sie sich als nächstes gesetzt?
Möglichst alle wesentlichen Organe für die Risikoabschätzung von Substanzen und die Wirkstoff sowie die Therapieentwicklung auf der Basis der vaskularisierten Trägerstruktur aufzubauen und dann „in Reihen“ hintereinander zuschalten, um so komplexe Untersuchungen analog dem Verhalten im menschlichen Körper durchführen zu können.

Erstellt: 08-12-06
Letzte Änderung: 08-12-06