In unserem Sprachgebrauch haben sich bestimmte Wortgefüge festgesetzt, die wir regelmäßig verwenden, wie z.B. „ein geschwächtes Immunsystem haben“, „Zellsterben“ oder „Krankheitserreger greifen Zellen an“. Wir wissen zwar, was damit gemeint ist, aber wohl die wenigsten wissen wirklich, welche biologischen Prozesse sich dahinter verbergen. Und genau das ist das Arbeitsfeld der Wissenschaftler am Leipziger Institut. Das Institut, das im April 2005 gegründet worden ist, hat sich das Ziel gesetzt, spezielle Problemlösungen an den Schnittstellen von Medizin, Bio-wissenschaften und Ingenieurswissenschaften zu finden. Die Kernkompetenzen liegen dabei in der regenerativen Medizin, das heißt bei zelltherapeutischen Ansätzen zur Wiederherstellung funktionsgestörter Gewebe und Organe bis hin zum biologischen Ersatz durch in vitro gezüchtete Gewebe. Damit die Gewebe ohne Probleme anwachsen können, müssen zelluläre und immunologische Abwehr- und Kontrollmechanismen erfasst und in die Verfahrens- und Produktentwicklung integriert werden.Sowohl der menschliche als auch der tierische Körper werfen nach wie vor eine Unmenge an Rätseln auf, die die Wissenschaftler kontinuierlich zu lösen versuchen. Die zahlreichen Fragen, die die Natur uns stellt, versucht das Institut für Zelltherapie und Immunologie (IZI) mit seinen verschiedenen Arbeitsgebieten abzudecken. So beschäftigt sich ein Bereich mit der Forschung, Entwicklung und präklinischer Evaluierung. Dabei geht es unter anderem darum, neue therapeutische Substanzen und diagnostische Systeme zur Applikation von Arzneimitteln zu entwickeln als auch bestimmte Therapeutika für Menschen und Tiere zu evaluieren.
Die biotechnologische Herstellung ist ein weiteres Arbeitsfeld des IZI, das seinen Projektpartnern aus Pharma- und Biotechnologieindustrie, Forschungs-einrichtungen und Universitäten ein Serviceangebot rund um das Thema der GMP-konformen Herstellung von biologischen Arzneimitteln bietet. Dabei geht es darum, bei der Herstellung der Therapeutika die GMP-Richtlinien, also die Regeln der Good Manufacturing Practices (Gute Herstellungspraktiken) einzuhalten. Neben dem theoretischen Know-how verfügt das Institut auch über die praktische Ausstattung: Eine Reinraum-anlage mit einer Größe von 450m² steht zur Disposition. Darin können die Projektpartner unter eigener pharmazeutischer Verantwortung und mit eigener Herstellungserlaubnis ihre Produkte produzieren.
Die Abteilung Marker Impfstoffe/DIVA Impfstoffe wiederum sucht Marker-impfstoffe, die einer sichere Unterscheidung von Impfreaktion und Reaktion auf eine Feld- bzw. Wildinfektion erlauben. Es werden gentechnische Markerimpfstoffe und die dazugehörigen neuen Serologie-Kits für die Tier-medizin entwickelt. Innerhalb der diversen Arbeitsbereiche des Instituts gibt es fachspezifische Projekte, an denen die Wissenschaftler arbeiten und durch die sie neue Erkenntnisse erwerben, die dann zu mögliche Therapeutika weiterentwickelt werden können.Ein aktuelles Projekt ist die Entwicklung eines Modellsystems zur Evaluierung der biomechanischen Aktivierung von Gefäßzellen. Fernziel ist dabei, ein Mittel gegen Herz- und Kreislauferkrankungen zu finden, also eine so genannte Anti-Atherosklerose-Therapie zu entwickeln. Denn die Atherosklerose und ihre Folgeerscheinungen sind für zahlreiche Erkrankungen verantwortlich. Die verschiedenartigen Veränderungen der Gefäßwand sind eng mit gestörten Strömungsmustern innerhalb des arteriellen Gefäßsystems verbunden. Gelingt es den Forschern, dieses Modellsystem zu entwickeln, dann besteht die Möglichkeit Medikamente zu produzieren, die gezielter und ohne unerwünschte Nebenwirkungen eingesetzt werden könnten.
Erste Erfolge kann das Institut bereits verbuchen:
Die Leipziger Firma NeuroProgen Gmbh hat eine Zelltherapie entwickelt, durch die die Parkinson’sche Krank-heit erheblich verbessert werden kann. Das Institut für Zelltherapie und Immunologie baut momentan zusammen mit NeuroProgen den Herstellungs-prozess für die klinischen Prüfpräparate auf. In den Reinsträumen des Instituts werden dann nach Abschluss der behördlichen Genehmigungen die Zellen für die erste klinische Studie hergestellt werden.Auch an den Behandlungsmöglichkeiten des Schlaganfalls arbeitet das Institut. So wird derzeit ein zelltherapeutisches Verfahren entwickelt, durch das die Wiederherstellung ausgefallener Funktionen und die Rückbildung von Lähmungen beschleunigt werden kann.
Um mehr über den Herstellungsprozess für klinische Prüfpräparate zu erfahren, sprach ARTE mit dem Leiter des GMP-Bereiches, Gerno Schmiedeknecht.
Für weitere Informationen über das Fraunhofer-Institut: www.izi.fraunhofer.de








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