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Haab - Wie jetzt

Ich habe immer geglaubt, Feminismus sei wichtig und richtig, auch heute, aber jetzt, jetzt habe ich gemerkt, das es tatsächlich nötig ist, als Frau, und am besten auch als Mann, Feministin zu sein. In Zeiten in denen es normal ist, wenn „Miss Emanzipation“ die Intimwachsbehandlung bezahlt, und in ihrem „sexiest bikini in town“ an den strand liegt.
Und überhaupt, warum heißt es nicht Efrauzipation?! Genau dieser Begriff beweist, dass die Efrauzipation noch lange nicht so weit fortgeschritten ist, wie alle immer behaupten.

Ihr seht aus, als hätte ich euch damit vor den Kopf gestoßen, mit dem Thema, aber ja, wie konnte ich das vergessen, von Frauen, insbesondere deren meiner Generation, erwartet man, dass sie die Bühne im Minirock besteigen, sowie im Tank-top von tally weijll, „totally sexy“ ich verstehe schon. Entschuldigen sie dass ich nicht hüfteschwingend, stöhnend oder singend meine texte vortrage, es wage, lange Hosen zu tragen und die Gesellschaft zu beklagen, tut mir wirklich leid. Wie hätten sie es denn gerne, da und dort ein Pfündchen weniger, eher scharf, oder zum mitnehmen, eingepackt in eine Alufolie?
Jeder gehört zu einer Verbrauchergruppe. Über fünfzig, allein stehend, Jungfamilie, Witwe, Junggeselle, Großfamilie, Bankangestellte, WG’s, Singles, ja, ja alle, sie auch und sie, und sie, und sie, und ich, und sie, überhaupt alle. Sie können sich auch nicht weigern, oder irgendetwas bestreiten, denn alle gehören in eine Verbrauchergruppe.
Es ist Feierabend, oder noch besser, es ist September, die Sommerferien sind gerade vorbei, der Weihnachtsvorverkauf kann starten, und der Herr Konsum rennt nackt durch die Strassen, und schreit „Kauf mich, kauf mich“. Es gibt nichts, was die Menschen lieber täten, als ihm zu folgen, mich eingeschlossen, und alle, alle rennen ihm nach, dem Herrn Konsum, und merken bei des Konsums grenzenlosen Nacktheit ihre eigene Blöße nicht.

WERBEPAUSE
Geschätzte Kundschaft, beuten sie auch heute wieder ein Drittweltland aus, mit unseren Spezialangeboten – und vielen anderen Produkten aus unserem Sortiment.
Heute im Sonderangebot: Südafrika
Kaufen sie Trauben aus Südafrika – weiß, rosé oder rot – und helfen sie mit, ärmere Länder auszunutzen, indem sie uns unterstützen, die wir den Traubenpflückern Hungerlöhne weit unter dem südafrikanischen Existenzminimum auszahlen.
In der Textilabteilung haben wir heute chinesische Seide im Angebot, garantiert Kinderarbeit, zu besten Konditionen.
zur Entspannung nach ihrem Einkauf, besuchen sie unsere Erotik-Etablissements im dritten Stock. Junge Rumäninnen und Bulgarinnen verwöhnen sie dort gerne, mit Massagen, und anderem. NEU – können sie mit der Super-bonus-punkte-card auch in unseren Etablissements noch mehr Treuepunkte sammeln, um sie später gegen tolle Preise einzutauschen.
Vielen Dank für ihren Einkauf und beehren sie uns bald wieder.
Verdammt! Die Menschenrechte begehen Massensuizid!

DENKPAUSE
Wenn ich soviel habe, dass es für drei reicht, und allein bin, was bleibt dann übrig, was ich behalten kann, und auf eine Bank einzahlen, und die finanzieren dann irgendwelche Waffen im Kongolesischen Bürgerkrieg, wäre das nicht sinnvoll? Etwas, das man mit gutem Gewissen unterstützen kann, ach nein, es braucht nichts mit dem Gewissen zu tun haben, ich weiß, wie man das unterdrücken kann. Sanbiki no saru. Nichts böses sehen nichts böses hören nichts böses sagen, nichts böses sehen, nicht böses hören, nichts böses sagen… nicht sehen, wie die Bullizei einem unbegründet eine Rippe bricht, nicht hören, wie er schreit, nicht sagen, was recht ist, sanbiki no saru , nichts böses sehen nichts böses hören nichts böses sagen, nichts böses sehen, nicht böses hören, nichts böses sagen, sanbiki no saru und das gerade heute, die meisten Leute kennen ja nicht mal den Unterschied zwischen Karma und Kamasutra, wie wollen die die indischen Affen verstehen?

Die Zeiten haben sich geändert, moderne Zeiten, früher war alles besser, sagen sie, heute ist alles anders, sage ich, modern times sagt Charlie Chaplin, wenn der wüsste, wie die wirklichen modern times sind, aber so schlimm ist es nicht, wir können damit noch ne ganze Weile leben, so vierzig fünfzig Jahre schätze ich. Heutzutage ist alles normal, das heisst, - nein, heut zu tage ist nichts mehr normal, so viel nichts ist nicht normal, dass alles normal ist, wen schockiert es denn noch gross, wenn eine Mutter ihr zweieinhalb jähriges Kind zur Prostitution freigibt? Es ist die Zeit, in der Anleitungen zum Suizid berechtigterweise gefragter sind denn je, „es ist besser den Föhn in die Badewanne fallen zu lassen, als den Rasierapparat, das ist sicherer.“
Sterben ist modisch, ins Gras beißen, in die Grube fahren, das Zeitliche segnen, zu Staub werden, von hinnen gehen, den Löffel abgeben, verenden, Friedhofblumen düngen, zu Grunde gehen, hinscheiden, das Gras von unten anschauen, erlöschen, eingehen, verrecken, umkommen, auf dem platze bleiben, entschlafen, verröcheln, den Geist aufgeben, krepieren, tot, tot, tot.
Die Welt ist so schlecht, dass ein Blinder keinen Ausweg sehen kann, Kunststück.
Da muss man gar kein Blinder sein, um hier den Ausweg nicht zu sehen, aber den muss man gar nicht sehen, man könnte auch einfach realisieren, dass da ein Weg ist.

Aber es ist natürlich schon besser, man bleibt stehen, dann passiert einem wenigstens nichts, und wenn doch, so kann man die Schuld jemand anderem zuweisen. Verantwortung ist sowieso äußerst unmodisch, übernehmen sie keine Selbstverantwortung, beziehen sie keine Stellung, talken sie small, ich meine smalltalken sie, ernsthafte Gespräche sind zu vermeiden, vermeiden sie ernste Themen.

Schauen sie nicht so, mir fallen durchaus schönere Themen ein, um darüber zu schreiben, ich könnte von einem schwedischen Olivenbaum berichten, der in Richtung Süden zieht, weil er Knäckebrot nicht gut leiden kann, oder von einer Trauerweide, die lacht, weil der Wind sie kitzelt, ich könnte schreiben von Revolution, und wie sich ein glänzender Pistolenlauf plötzlich entschließt künftig in die Gegenrichtung zu laufen, ich könnte erzählen, warum der Mut und die Angst die Artikel wechseln, und deshalb künftig der Angst und die Mut sind, ehrlichkeitshalber, über das alles möchte ich berichten, aber die Welt steht nicht still.