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Medusa - Don Quichote

Don Quijote - oder Was kann die Windmühle dafür?

Wenn dein Puls stockt und den Schritt wechselt,
in deine Ader pfuscht und deinen Rhytmus neu drechselt,
passiert's, dass du ins Stocken kommst.
Was is jetzt mit deim Flow?
Du bist doch sonst nicht so. Irgendwie ratlos.
Jetzt sitzt du an der bar und betrachtest bloß mal so den Menschen dahinter,
der dir an diesen anderen tagen gar nicht auffällt,
und erzählst ihm jeden Scheiß, der dir einfällt.
Was dir grad noch gefehlt hat, ist ein Fehlstart und der opaque Spiegel,
in dem sich neben anderen Flaschen dein Gesicht abzeichnet:
abgeschminkt und viel zu wenig weichgezeichnet vom Fallbeil und tiefen Schatten
und der Qualm, der Luftzug und Atem um das Anteil Sauerstoff erleichtert,
das du so dringend brauchen könntest.

Du verschwendest deine Zeit und dein weniges Geld sinnlos am Tresen:
Don Quijote, denkst du, ist zweifellos ein Held gewesen.
Wenn dein Kalenderblatt mehr Einträge als Zeilen hat und jeder Vollidiot
die Nummer deines Pagers. Du hast ihn satt den Stress und nur mit Drogen geht das
irgendwie weiter. Im Sessel neben deinem Chef sitzt breitbeinig dein Widersacher
und dein Mitstreiter in kompetenter Personalunion und der Kurs mit dem du glänzen wolltest, den hat er auch schon.
Jetzt hängt dein Lebenslauf, die Straße ist grade wenn auch steil bergauf.

Es geht dir um Beschleunigung und gute Straßenlage, du drückst auf's Gas und träumst davon und stellst dir vor, du könntest wirklich was und auch was gegen Armaggedon tun und Ragnarök. Dein Kampf ist kleiner und bei deinem Glück
fährst du im Taumel nicht das Monster doch das Kleinkind um, das im Straßengraben spielt.
Du siehst nur Windmühlen und den Lanzenträger, der auf vage Schatten zielt und der den wunden Punkt aus tiefstem Mittelalter direkt in deinen Kortex transferiert.
Don Quijote ist zweifellos ein Held, doch jetzt erklär mir mal, was kann die Windmühle dafür? Und du kapierst die Parallelen nicht und bist verwirrt.

Nochmal Pulsschlag, du erlaubst doch bitte, dass ich nachfrag.
Hinkt der Vergleich oder stimmt's dass ich eben grad den Punkt traf?
Wundgescheuert und am Ende deiner mäßigen Bildung.
Man spart dort gerne ein, was zählt, ist nicht das Wissen selbst, sondern dessen Vermarktung
und die Ressource, die sich heute noch verbraten lässt.
Was du morgen machst, ist dem Chef recht egal und der zahlt nicht nur dich, auch den Minister, der steuerbefreit zur Wahl steht und du wählst den noch brav!
Ich find das Wort nicht, das beschreibt, wie sehr mir dieses Land auf den Arsch geht was Politik betrifft, floriert vor Ort die Sadomaso-Szene.
Als Domina fungiert der medigene Tropf mit Hirschbeinknopfsakko
und seinem Ruf nach Flattax. Und sein guter Freund, der rasende Reformer,
der so gerne schweigt und nach getaner Tat erst feststellt,
dass der Teufel leider im Detail steckt und im Gesetzestext,
den er nicht kennt oder das zumindest vorgibt.
Wer dagegen angeht, misst sich nicht mit Don Quijote, sondern hievt
sich in die Liga David gegen Goliath,
ist nicht im Bierzelt daheim und macht sich trotzdem für den kleinen Mann stark.
Ein kurzes Fazit: bevor du meine Stimme vergißt und wieder Gas gibst.
Ich sprech wie dieser Tölpel Narziß mit meinem Spiegelbild,
und stell mir vor was passiert, wenn das Spiel nicht gilt in dem ich angetreten bin zur großen Fahrt. Odysseus erblasst und bejaht die Tat von Mieze Medusa, die verzagt
auf die vielen Wörter starrt, die sie spricht. Doch die Schrift verwandelt sich nicht.
Ist nicht, wird nicht, kann nicht Stein sein und überlieferbar.
Das literarische Quartett und dessen Nachfolger gratulieren mir nicht zu dem neuen Klassiker
und ohne Opus Magnum steht Mieze Medusa ziemlich blöd da
in Sachen Kanon und Nachruhm. Sei's drum.

Solang der Rhythmus nicht schweigt, darf die Metapher ihre Kreise ziehn.
Die Sprache schleift sich ein und zerreibt den Zweifel an der Gültigkeit, beweist sich was, treibt sich selbst auf die Spitze und einen kleinen Spalt in die glatte Wand aus lauter Zukunftsangst. Reicht das Geld? Werd ich alt? Werd ich krank?
Werd ich irgendwann mal angestellt?
Der Mieze gefällt's an diesem Punkt an dem der Damm bricht,
wenn die Flut sie trägt und der Katzenjammer ausgeklammert ist.
Zu später Stunde fast schon Dämmerung begreifst du deinen Wunsch nicht mehr
nach Absicherung durch Beamtenpension.
Denn wenn das was ist, was dagegen spricht, find ich's nicht besonders wesentlich.
Es ist nur schad, dass an diesem Punkt das letzte Wort noch nicht gesprochen ist.
Denn Sprache erstarrt, wenn du heute nicht weißt, was du morgen ißt.
Ich beklag mich gar nicht, auf meinem Eisschrank hat noch nie ein Kuckuck drauf geklebt doch ich ess auch ziemlich selten Kaviar.

Und die Zeit vergeht ganz schnell von selbst.
Die Lage ist prekär, wenn du eh nicht viel verdienst und am Ende vom Jahr kommt die Steuer daher und stellt Ansprüche.
Ganz anders beim Sport, der zahlt die Hälfte und bekommt dafür auch noch ein zeitgemäßes Stadion. Dafür gibt's Geld, wir sind ja schließlich eine große Sportnation und sparen am Geist. Ich red nicht nur von Kunst, auch von dem Kurs, der Jugendlichen fehlt oder Frauen über 40 auf Jobsuche. Und ärger mich so nebenbei über blöde Sprüche und Aufrufe zum Kinderkriegen. Wenn ich das will, will ich's für mich und niemand muss mich überreden.
D redest vom Vertrag mit meinen Eltern, Onkeln und Tanten. Hey ich vertrag mich mit denen, du musst dich gar nicht hinter ihnen verschanzen und denken,
du kämpfst gegen Kinder, die sich weigern erwachsen zu werden.
Wir haben unsre Wachstumsschmerzen schon gehabt und erkennen den Ernst der Lage,
den wir zweifellos spürn.

"So", so du, "kann's echt nicht weitergehen, wenn wir so weiterleben,
ist das ende am Tunnel dunkel und ihr müsst verstehen,
dass ihr keine Lobby habt und keine Macht.
Drum macht was ich sag, denn ich hab die Kraft
euch eine Zukunft zu geben oder zumindest eine Gegenwart."
Du sagst, "jetzt springt doch mal", und wir versuchen's auch
und am ende vom Tag gibt's dafür weniger als ausgemacht.
Vielleicht muss das so sein, und ich hör dir eh zu und ich versteh deinen Punkt zwar.
Doch ich bezweifel an dein Motiv, ich denk du lügst, du denkst gar nicht an uns, womöglich nicht mal nur an dich, doch wer dahinter steht und an den Fäden zieht, wer weiß das schon. Es ist noch einiges unklar!


Das ist nicht meine Revolution


Wenn mich so einer fragt, ob ich nicht auch der Welt entfremdet bin, mich mal verloren fühl und nach dem Sinn von meinem Streben such. Es geht, sagt wer, um mich und mein Betragen jetzt und vor dem Sterben und ums Schicksal vor und nach dem Tod. Gott liebt dich, sucht dich heim und schickt dir seinen Sohn und so und jetzt geh taufen, beichten, beten, büßen, Kirchensteuern zahlen… Tja. Dann komm mal ich zu Wort und sag: „Wenn ich auf keinen Fall mit einem Gummi bumsen darf, dann ist das nicht meine Revolution.“

Wenn mich mal so eine zur Seite nimmt, die mich mit ihren Augen misst und gleich notiert, was zu verändern wär, so eine sagt zu mir: „Verknöchere und zementier dir ein Korsett, denn dieses Fett, das kriegst du weg, pilatestier, aerobisier dich doch und dann noch dehnen, turnen, laufen, fasten, Gurkenscheiben auf die Augen, Vitamine in den Magen, ja kein Sonnenbrand und kein Versagen in der Jagd nach faltenfreiem Altern mit Behagen.“
Dann lehn ich mich zurück mit einem „Stimmt! Ich bin ein bisschen dick.
Doch wenn’s für dies dein Paradies einer Diät bedarf, dann ist das nicht meine Revolution!“

So einer misst mal das Gewicht der Markeneinkaufstragetaschen prall gefüllt mit dem Ertrag von einem meiner eher argen Einkaufstage, schnellt nach vorn und stellt mir eine seiner Fragen, die drauf drängen, mich in Beugehaft zu nehmen und zu gängeln:
„Hast du ein Herz für Tiere? Liegt dir an dem Planet und was an unserm Regenwald? Schmeckst du das Blut in deinem Fleisch? Riechst du den Mief an deinem kinderflink bestickten Sweater? Und der Geruch nach Gift entgeht dir etwa? Hey, unterschreib hier unten für den jeden 10. Tag im Monat abgebuchten Beitrag zur Gerechtigkeit! Und ich sag: „Tut mir leid! Denn wenn mein Geld dann jahrelang bei deiner Agentur verbleibt, dann ist das nicht meine Revolution!“